Da mein alter Rüde Bingo urplötzlich epileptische Anfälle bekam, habe ich natürlich in den weiten des WWW recherchiert und Interessantes herausgefunden. Mein Bericht über Epilepsie ist kein Fachbericht, ich habe einfach als Laie versucht, den Hintergrund dieser Anfälle besser zu verstehen.

Bingo wurde bis zu seinem Tode im stolzen Alter von 17 Jahren, mit zwei Medikamenten für Menschen behandelt. Um den Anfällen vorzubeugen bekam täglich, (bis er richtig eingestellt war, dauerte es Wochen) „Luminal“ und gegen die Krampfanfälle zum entkrampfen hatte ich die Zäpfchen „Diazepam“. Mit diesen beiden Medikamenten bin ich (meine eigenen Erfahrungswerte) gut gefahren! Da ich die beiden genannten Medikamente von meinem Tierarzt bekam, möchte ich alle drum bitten, nicht eigenmächtig dem Tier Medikamente zu verabreichen, sondern den Tierarzt bzw. einen Tierheilpraktiker zu Rate zu ziehen, der das Tier untersucht und die für das jeweilige Tier, richtigen Medikamente verabreicht! Es ist zum Wohle Eures Tieres, hier nicht herumzuexperimentieren! Ein Tierleben sollte für den Besitzer "kostbar" sein!

 

Aber hier nun:

 

                                   Definition und Ursachen von Epilepsie

Was ist Epilepsie?

Unter Epilepsie versteht man Krampfanfälle, die durch plötzlich auftretende, unkontrollierte sogenannte bioelektronische Entladungen im Gehirn entstehen.

 

Gibt es Unterschiede bei der Epilepsie?

Ja, gibt es. Man unterscheidet zwei Formen der Epilepsie, einmal die primäre und dann die sekundäre Epilepsie.

 

Die primäre Epilepsie wird auch die idiopatische/echte (idiopathisch ist ein Begriff, der mit Krankheiten genutzt wird, die ohne erkennbare Ursache entstehen) Epilepsie genannt. Diese Form ist genetisch bedingt und man hat einen Defekt am 17 Chromosomenpaar entdeckt und vermutet da einen Zusammenhang. Ebenso wird ein Defekt der Neuronalen Membranen (ein Neuron  ist eine Nervenzelle) bzw. der Neurotransmitter (sind biochemische Stoffe, welche die Information von einer Nervenzelle zur anderen über die Kontaktstellt der Nervenzellen, der Synapse [sind Kontaktstellen zwischen Nervenzellen und anderen Zellen] weitergeben), als möglicher Verursacher gesehen. Krampfanfälle beginnen in der Regel zwischen dem 1. und 5. Lebensjahr.

 

Die sekundäre Epilepsie wird auch die erworbene/symptomatische Epilepsie genannt. Hier werden die Anfälle durch frühere oder vorhandene Erkrankungen ausgelöst wie z.B.: Stoffwechselerkrankungen, Hypoglykämie = zu niedriger Blutzuckerspiegel, Hypokalzämie = niedriger Calciumspiegel, all das bewirkt eine Übererregbarkeit des Nervensystems, was sich in Krämpfen in der Skelettmuskulatur äußert.

Auch Toxisch (durch Gifte) oder durch Hydrocephalus (= raumfordernde Prozesse innerhalb des Kopfes wie z. B. Tumore, Blutungen…), Störungen des Hormonhaushaltes (Schilddrüsenunterfunktion), Infektionen wie beispielsweise Staupe, kennzeichnend dafür sind hohes Fieber, Abgeschlagenheit, je nach befallenem Organsystem können Durchfall oder Erbrechen oder Atemsymptome auftreten. Im weiteren Verlauf kann eine Schädigung des Gehirns mit zentralnervösen Erscheinungen auftreten.

 

Gibt es verschiedene Symptome bei den Krampfanfällen?

 

Es werden verschiedene Formen von Krampfanfällen beschrieben, man unterscheidet den großen (Grand Mal) und den kleinen (Petit Mal) Anfall.

 

Der Grand Mal Anfall äußert sich in einem mehr oder weniger plötzlichen Umfallen des Hundes, wobei es zu tonischen Krämpfen (Streckkämpfe) der Muskulatur kommt.

Der Hund verliert das Bewusstsein und es kann zu einer kurzen Phase von Atemstillstand kommen.

Anschließend kommt es zur klonischen (bsp. Augenrollen) Phase, zu Zuckungen von Muskelgruppen. Es kann der gesamte Körper betroffen sein (generalisierter Anfall = zappeln, strampeln der Extremitäten) oder nur einzelne Körperteile (partieller Anfall = Wiederholungen bestimmter Bewegungen wie z. B. das Lecken der Nase).

Neben den heftigen Krämpfen kann Kauen und ein Zähneklappern auftreten. Der gekaute Speichel verursacht Schaum vor dem Fang. Es kann unkontrolliertes Urinieren oder Kotabsetzen auftreten. Der Hund kann schnaufen, oder er gibt sonstige Merkwürdige Geräusche von sich.

Nach wenigen Minuten, ca. 2- 3 Minuten, die einen wie eine Ewigkeit vorkommen, klingt der Anfall in den meisten Fällen von alleine wieder ab.

Anschließend ist der Hund schwer oder kaum ansprechbar und sehr erschöpft. Es kommt auch noch eine Desorientiertheit hinzu. Nach dieser Phase, die sich nach Dauer und Intensität des Krampfanfalles richtet, ist der Hund nach einer Ruhephase wieder ganz normal.

 

Die Petit Mals sind nicht ganz so deutlich zu erkennen. Sie bezeichnen ein kurzes Weggetretensein für nur wenige Sekunden. Das fällt bei Hunden manchmal dadurch auf, dass sie „komisch“ gucken, mit leeren Blick irgendwohin starren, oder sich vor was erschrecken, das definitiv nicht da ist. Oder es kommt zu kurzen Krämpfen. Die Dauer ist recht kurz, meist unter einer Minute.

Nicht jeder komischer Blick, oder merkwürdiges Verhalten ist gleich ein epileptischer Anfall!

 

Mögliche Gefahren während eines epileptischen Anfalles

 

Während eines epileptischen Anfalls kann sich der Hund verletzen, durch einen Zungenbiss oder durch das Hinfallen.

 

Auch kann während eines Anfalles es zu einem Status epilepticus = außergewöhnlich lange andauernder epileptischer Anfall bzw. eine Serie von Anfällen kommen. Das bedeutet, das die Zeit zwischen den Anfällen so kurz ist, das der Ausgangszustand und andere Körperfunktionen nicht mehr erreicht wird. Je nach Art der Anfälle und Dauer des Status kann dieser zu schweren Schädigungen führen und auch lebensbedrohlich werden.

 

Wie verhalte ich mich während und vor allem nach einem Anfall meines Hundes?

 

Das allerbeste, was Ihr für Euren vierbeinigen Freund im Falles eines Anfalles tun könnt, ist einfach da zu sein (Bingo kam immer bevor er einen Anfall bekam zu mir). Sorgt dafür, sofern es möglich ist, dass er sich in den Krämpfen nicht verletzt, polstert seine Lage gegen harte Gegenstände mit Decken oder Kissen ab.

Versucht bitte nicht, ihm ein „Beissholz“  oder ähnliches, wie es früher angewandt wurde (oder manchmal heute auch noch) zwischen seine Zähne zu bekommen. Es wurde empfohlen, damit sich der Hund nicht auf die Zunge oder die Lefzen beißt. Wenn der Anfall aber schon da ist, besteht durch den Versuch, das Holz ins Maul zu geben, erst recht, auf beiden Seiten, Verletzungsgefahr, weil sich die Kiefer im Anfall heftig bewegen.

 

Ändert auch möglichst nicht die Lage Eures krampfenden Hundes, es sei denn, es besteht Verletzungsgefahr. Versucht bitte keinesfalls durch Festhalten die starken Bewegungen zu verhindern.

 

Beruhigt Euer Tier, sprecht mit ihm, und streichelt es! Ich hatte am Anfang, wo die Anfälle waren, eine Art Tagebuch geführt, wo ich zum besseren Nachhalten das Datum und die Länge des Krampfes notierte.

 

Wenn Euer Hund wieder wach wird, bleibt bei ihm, es kann vorkommen, das er ziemlich desorientiert ist. Gebt ihm die Möglichkeit, sich nach den Anfällen draußen zu lösen. Dadurch, das die Körperfunktionen einige Minuten auf Hochtouren liefen, ist auch der Stoffwechsel beschleunigt worden und meist muss der Hund dann Kot absetzen (bei Bingo war es auch manchmal so, das er während eines Anfalls unter sich gemacht hat) Wenn Ihr mit ihm raus geht, lasst ihn an der Leine, bis er wieder vollkommen klar und ansprechbar ist.

 

Einige Hunde haben nach einem epileptischen Anfall großen Hunger (eigentlich kein Wunder, wenn man drüber nachdenkt, wie viel Energie verbraucht wurde). Gebt ihm dann ruhig außer der Reihe ein bisschen Futter, aber nicht zuviel auf einmal.

 

Therapien bei Epilepsie

 

Die Art der Therapie richtet sich nach der Ursache der Epilepsie. Bei der primären Epilepsie kann die Ursache nicht beseitigt werden, das bedeutet, Epilepsie ist nicht heilbar. Es können lediglich die Symptome gelindert werden, was wiederum bedeutet, dass bei einem Teil der Hunde mit Medikamenten die Häufigkeit der Anfälle reduziert und die Heftigkeit der Anfälle gemindert werden kann. Das bedeutet aber die lebenslängliche Verabreichung der Medikamente und die strikte Einhaltung von Dosis und Zeiteinhaltung der Gaben!

 

Mehrere Studien über die Wirkung der bei Hunden üblichen Antiepileptika ergaben, das etwa 30 bis 40 % der therapierten Tiere anfallsfrei wurden.

 

Bei einer anderen Studie konnten bei 40 % der Tiere, die Anfälle um etwa 50 % reduziert werden.

 

Etwa 20 % der Hunde erwiesen sich aber gegenüber der Antiepileptika der ersten Wahl als therapieresistent. Durch die Zugabe eines weiteren Medikamentes kann in etwa der Hälfte der Fälle eine Besserung des Anfallgeschehens erzielt werden.

 

Es gibt aber nicht nur positive Prozentzahlen bei den Studien, man stellte bei ca. 20 % der Tiere fest, das diese gänzlich therapieresistent sind. Die Folge hier, ist letztendlich nur der Tod!

 

Übliche Medikamente, die bei Epilepsie eingesetzt werden, sind Luminal (hieß früher Phenobarbital), Aphenylbarbit.

 

Als Notfallmedikament trug ich immer Diazepam bei mir, wenn ich mit Bingo unterwegs war. Es wird rektal verabreicht in Dosen von 10 bis 30 mg.

 

Ich kenne einige Hundebesitzer, die mit Mylepsinum/ Liskantin (früher Primidon) gute Therapieerfolge haben.

 

Probleme der medikamentösen Behandlung

 

Meine Erfahrung zeigt, das zahlreiche epileptische Hunde nach einigen Monaten oder gar Jahren, in denen sie mit Antiepileptika anfallsfrei geblieben sind, urplötzlich sehr schwere Anfälle bekommen, und nicht mehr auf das Medikament ansprechen. Es muss damit gerechnet werden, das die Medikamente nur für eine Zeitlang die Anfälle unterdrücken. Die Antiepileptika können die Epilepsie nicht heilen!

 

Eine sehr traurige Nebenwirkung von Antiepileptika ist eine starke Gemütsdämpfung und sogar häufig eine Wesensveränderung. Man erkennt unter Umständen seinen eigenen Hund nicht wieder. (mir ist eine Wesensveränderung bei Bingo nicht aufgefallen)

Aber auch Menschen, die solche Medikamente nehmen, berichten, das sie eine Persönlichkeitsveränderung an sich wahrnehmen. Einige ziehen es deshalb sogar vor, Anfälle zu haben und setzen die Medikamente ab.

Antiepileptika sind wie jedes Medikament eine vorsichtig zu handhabende Behandlung, über deren Auswirkung man sich im klaren sein sollte. Auch körperliche Nebenwirkungen ziehen nach längerer Gabe weitere tierärztliche Behandlungen nach sich, da zum Teil neue Erkrankungen durch die Medikamente verursacht werden.

 

Auch bei der sekundären Epilepsie richtet sich die Therapie nach der ursprünglichen Erkrankung!

 

Es gibt auch alternative Möglichkeiten zur Behandlung von Epilepsie

 

* Akkupunktur durch Tierärzte

* Tellington-Touch Methode

* umstrittene Bachblütentherapie, mit speziell dann auf den Hund zugeschnittenen Mischung

* Homoöpathische Beratung und Gaben durch einen Tierhomöopathen

    (Zincum D 6 und Apisinum D 6 im täglichen Wechsel) Angabe allerdings ohne  

     Gewähr!

 

Es ist auf jeden Fall wichtig eine genaue Diagnostik beim Tierarzt zu betreiben, um den Ursachen der Epilepsie auf der Spur zu kommen, da sonst keine adäquate Behandlung möglich ist!

 

Was kann ich sonst für meinen Hund tun?

 

Bitte, lasst Euern Hund, weiterhin Hund sein. Außerhalb der Anfälle ist er ein Hund wie jeder andere! Ich habe bei Bingo darauf geachtet, das er morgens seine Tablette nahm, und, überall, wo wir hingingen, hatte ich Diazepam für den Notfall dabei, sei es, das ich mit ihm Spazieren ging oder wir im Urlaub gefahren sind.

 

Man sollte versuchen, das der Hund keinen Streß, Druck oder Angst hat. Immer funktioniert es allerdings auch nicht, ich habe Bingo nie in Watte gepackt, stressige Situationen hatte er auch, mal hat er mit einem Anfall reagiert, mal nicht…

Naja, Fazit ist, Bingo ist mit seiner Epilepsie 17 Jahre alt geworden. Ich denke, das auch andere Besitzer sich nicht abschrecken lassensollten, einen Hund mit Epilepsie zu sich zu nehmen! Es sind genauso treue und liebe Tiere, wie „gesunde“ Hunde auch! Klar, Einschränkungen gibt’s (Notfallmedikament sollte man immer mitschleppen), Kosten für Tabletten oder ähnliches entstehen auch,

aber,glaubt mir, man bekommt es hundertfach zurück!

                                                                                      

 



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