Calming Signale beim Hund
All das, was hier steht, habe ich, aus dem Buch von Turid Rugaas - Animal Learn Verlag – ISBN 3-936188-01-7. Ich habe mich im großen und ganzen an das Buch gehalten, gebe es quasi ein bisken mit meinen Worten wieder. Wer das Buch kennt, wird erkennen, das ich im Grunde einige Sätze vonTurid Rugaas verändert habe, das es sich nicht ganz so trocken liest.
Calming Signals sind Beschwichtigungssignale, die Lebensversicherung der Hunde. Wenn wir Bücher über Wölfe lesen, finden wir darin gewisse Merkmale ihrer Körpersprache beschrieben, die als „cut off signals“ bezeichnet werden, weil aufmerksame Beobachter gesehen haben, wie die Anwendung dieser Signale Aggressionen untereinander stoppte.
Unsere Haushunde haben genau die gleichen sozialen Fähigkeiten, untereinander Konflikte abzuwehren, wie ihre Vorfahren, die Wölfe.
Allerdings kommuniziert der Vorfahre unserer Haushunde viel intensiver und auch viel direkter untereinander. Unsere Hunde sind aber nicht verkümmert, sie „sprechen“ ebenfalls sehr deutlich und direkt. Ihre Sprache ist ein wenig unauffälliger, man könnte sagen, sie sprechen in „Kleinbuchstaben“. Da der „normale“ Hundehalter diese kleinen Signale nicht so wirklich im Umgang mit seinem Vierbeiner beachtet, ist schon ein bisschen Training nötig, um sie zu erkennen.
Nicht ganz richtig ist es, die ausgesendeten Signale als Stoppsignale zu benennen, unsere Hunde setzen sie in der Regel schon ein, bevor es was zu stoppen gibt! Die Calming Signals dienen als Vorbeugemaßnahme, um Konflikte gar nicht erst entstehen zu lassen. Die Signale sollen Bedrohungen und Probleme vermeiden, Stress und Unruhe, Nervosität, laute Geräusche und andere für den Hund unangenehme Dinge beschwichtigen. Die Calming Signals werden aber auch zur eigenen Beruhigung dienen.
Ein kleines Beispiel, das Ihr sicherlich jeden Tag bei Eurem Hund beobachten könnt. Euer Hund sitzt an der Wohnungstür, und freut sich wie dulle auf den bevorstehenden Spaziergang und gerät dadurch völlig aus dem Häuschen vor lauter Begeisterung. Meist könnt Ihr nun beobachten, das er verhäuft gähnen wird, um den Stress zu mildern. Dieses „Gähn-Signal“ soll alle Beteiligte beruhigen (auch Euch!)
Unsere Haushunde sind immer noch Rudeltiere, deren Sozialverhalten zu einem wesentlichen Teil durch Konfliktvermeidung bestimmt ist. In der Regel werden Hunde, die während des Aufwachsens, die Möglichkeit haben, mit Artgenossen, ihre Sprache untereinander zu entwickeln, sind in der Regel sozialverträgliche Tiere mit der Fähigkeit, Konflikte zu lösen.
Haben sie einen Teil des für sie so wichtigen Kommunikationssystems verloren, dann deshalb oft, weil sie den Menschen, die diese Signale falsch interpretiert oder nicht erkannt haben, bestraft wurden, als die Hunde sich untereinander zu beschwichtigen versuchten. Durch unser „Fehlverhalten“ kann es natürlich sein, das der Hund es nicht mehr wagt, diese Signale einzusetzen!
Verlieren kann ein Hund seine Sprache auch, wenn er aufgrund von fortgesetzten Mobbing oder durch Attacken anderer, aggressiver und schlecht sozialisierter Hunde, wenn sie ihn trotz aller Beschwichtigungssignale angegriffen haben.
Sofern unsere Hunde einen Teil ihrer Sprache und ihre Fähigkeit zum sozialen Umgang behalten haben, versuchen sie ganz eindeutig Konflikte zu vermeiden. Unsere Hunde verwenden die Sprache und die Signale während der ganzen Zeit, in der sie wach sind und die geringste Kleinigkeit um sie herum passiert.
An dieser Stelle nun kleine Beispiele, damit Ihr erkennen könnt, welche Signale wann und wie eingesetzt werden. Wenn Ihr die Signale „lesen“ könnt, seht ihr, was er (Euer Hund, seiner Umgebung mitteilen will!)
Ihr wollt Spazieren gehen, und herrscht Euren Hund mit gereizter Stimme ein „Sitz“ zu, weil er an Euch hochspringt und drängelt. Der Hund antwortet auf Euren Befehl, indem er sich die Schnauze leckt, gähnt, sich umdreht oder auch ganz still sitzt, bis Eure Aggression vorbei ist.
Nun seid Ihr beide draußen und in der Ferne kommt ein anderer Hundehalter mit seinem Hund auf Euch zu. Euer Hund beginnt langsamer zu gehen, dreht sich vielleicht auch mal um oder schnüffelt am Boden, um ganz sicher zu gehen, das der andere Hund, auch gesehen hat, wie freundlich er ist.
Unsere Hunde können aber in der gleichen Situation ganz unterschiedliche Beschwichtigungssignale zeigen. Er kann innehalten, still stehen bleiben, den Kopf zur Seite drehen und sich das Maul lecken, während der andere Hund auf ihn zukommt und langsam im Bogen um ihn herum geht, am Boden schnüffelt und drauf achtet, dem stehenden Hund die Körperseite zuzuwenden.
Ist ein dritter Hund (viele neigen ja zum Zweithund) anwesend, sitzt dieser vielleicht daneben, gähnt, oder legt sich auf den Boden. Sie geben einander verschiedene Signale und verstehen sie alle, weil es ihre eigene Sprache ist, die ihnen von ihren Vorfahren weitergegeben wurde!
Die Ausdruckssprache unseres Hundes beinhaltet aber auch Drohgebärden, die als distanzfordernde Signale bezeichnet werden. Das sind:
* Zähnefletschen
* Knurren
* Bellen
* Scheinangriff
* Schnappen
Diese Ausdrücke haben das Ziel, das Unbehagen auslösende Element auf Abstand zu halten, es auch zu vertreiben. Was unsere Hunde an uns Menschen bedrohlich finden, ist unter anderem zorniges und aggressives Verhalten, dass wir direkt auf sie zugehen, uns direkt über sie beugen, sie anstarren oder ähnliches. Unser Hund wird im Normalfalle als erstes versuchen, den Bedroher, also uns, zu beschwichtigen, es sei denn, die Bedrohung kommt völlig unerwartet, etwa dann, wenn nen Kind stolpert und auf nen schlafenden Hund fällt.
Wenn wir in der Nähe unseres Hundes sind, haben wir die Wahl. Wir können uns drohend und damit feindlich verhalten oder beschwichtigen und damit freundlich. Diese Möglichkeiten haben wir immer, und wie wir uns entscheiden, wird es Auswirkungen auf unsere Beziehung zu unserem Hund haben!
Habt ihr eine drohende Haltung angenommen, muss der „Konfliktlöser“ Hund, versuchen, Euch zu beschwichtigen, wenn das nicht gelingt, wird er versuchen, Euch zu vertreiben…
Es gibt ne ganze Menge an Signalen, mindestens 30 Stück. Manche sind sogar doppelt belegt, so das sie in manchen Situationen einen anderen Zweck der Beschwichtung dienen. Einige werden blitzschnell, andere länger gezeigt.
Das braucht aber Zeit und viel Übung, bevor man sie alle erkennen kann. Den Aufwand, sie kennenzulernen, sind sie aber wert! Nach langer Übung werdet Ihr sicher in der Lage sein, zu erkennen, was in Euern Hund vor sich geht, wenn Ihr dazwischen geht, um eine unangenehme Entwicklung zu stoppen oder ihm aus einer bedrohlichen Situation herauszuhelfen.
Schliesslich seid Ihr der Rudelführer, der nicht nur das Rudel leitet, sondern auch sein Rudel im Angriffsfall mit beschützen sollte.
Sicher fragt Ihr Euch nun, wie man diese Signale erkennt und wie Euer Hund sie einsetzt. Hier nun die Calmings in zusammengefasster Form:
Den Kopf abwenden
Der Hund dreht den Kopf erst zur einen und dann zur anderen Seite, oder er wenden den Kopf für eine längere Zeit ab. Manchmal ist die Bewegung kaum erkennbar, manchmal dreht er den Kopf beinahe übertrieben deutlich weg. Euer Hund wird dieses Kopfabwenden vielleicht einsetzen, wenn ein anderer Hund ein bisschen zu schnell oder direkt auf ihn zukommt. Euer Hund kann aber auch den Kopf zur Seite drehen, wenn Ihr Euch über ihn beugt, umarmen, hochheben oder seine Euch abgewandte Körperseite tätscheln.
Vielleicht steht er still, wendet den Kopf ab – das reicht schon, um Euch zu sagen, dass er sich in der jetzigen Situation unwohl fühlt.
Ihr könnt dieses Signal auch selbst wirkungsvoll einsetzen, falls sich Euer Hund mal unsicher verhält oder Beschwichtigungssignale aussendet, während Ihr auf ihn zugeht, wendet mal Euren Kopf ab!
Der Gebrauch der Augen, Augenlider senken, Zwinkern
Manchmal wendet Euer Hund den Kopf gar nicht oder nur nen bisken ab, sondern lässt statt dessen nur die Augen von einer Seite zur anderen wandern oder zieht es vor, stocksteif zu sein. Das kann so sein, wenn ihr Euren Hund umschlungen haltet, und ihm die Möglichkeit nehmt, den Kopf wegzudrehen. Manchmal lässt er nicht nur seine Augen gleiten, sondern er blinzelt auch recht hastig. In anderen Fällen wird er er die Augen nur auf- und zumachen, wenn sie nicht nach links und rechts rollen. Auch dieses Signal könnt ihr selber anwenden, wenn Euch die Möglichkeit fehlt, den Kopf zu wenden, wie z.B. der angriffsbereite Hund steht bereits vor Euch. Der Gebrauch der Augen kann auch darin bestehen, den Blick zu verkürzen. Das heißt, nicht starren, sondern die Augenlider senken (der sogenannte Schlafzimmerblick *g) um den Blick weicher zu machen!
Sich abwenden, Kopf, Seite, Rücken
Jemanden die Flanke oder das Hinterteil zuzudrehen ist ein stark beschwichtigendes Signal. Dieses Signal zeigen unsere Hunde oft, wenn jemand plötzlich auftaucht, oder zu schnell auf sie zugeht.
Wenn sich erwachsene Hunde von Welpen oder Junghunden zu sehr genervt fühlen, wenden sie sich in den meisten Fällen ab.
Ihr selbst könnt dieses Signal auch wieder anwenden, wenn sich Euer Hund von Euch bedroht fühlt und bereits aggressiv ist, indem Ihr Euch wegdreht! Auch wenn Euch Euer Hund vor Freude anspringt, dreht ihm den Rücken zu. Vergesst aber nicht, ihn dann zu begrüßen und zu loben, wenn er verstanden hat, und nicht mehr springt!
Die Nase lecken
Euer Hund leckt sich die Schnauze mit einer raschen Zungenbewegung, in der Regel hinauf bis zu seiner Nase, aber nicht immer. Das Lecken geschieht oft so schnell, das man es fast gar nicht bemerkt. Ein Hund macht das oft, wenn er einem anderen Hund begegnet, oder Ihr Euch über Euern Hund beugt, ihn greift, mit ärgerlicher Stimme ansprecht oder festhaltet.
Ihr könnt dieses Signal auch bis zu einem gewissen Grad auch selbst anwenden, indem Ihr mit der Zunge über den Mund fahrt, wenn Ihr mit Eurem Hund zusammen seid. Denkt aber dran, das es auf Eure Mitmenschen eher seltsam wirkt, wenn Ihr dabei beobachtet werdet!
Das Erstarren / Einfrieren
Euer Hund wird manchmal in stehender, sitzender oder liegender Haltung „einfrieren“ und sich vollkommen passiv verhalten um sein Gegenüber zu beschwichtigen.
Zwei Rüden treffen sich, sie werden sich sehr vorsichtig und abwägend verhalten, um keinen Konflikt heraufzubeschwören. Sie werden sich oftmals langsam bewegen und plötzlich in eingefrorener Stellung verharren, bis sich einer von ihnen langsam entfernt. Wenn Ihr Eurem Hund voller Zorn oder Aggression ein Kommando gebt, werdet Ihr nicht selten sehen, das Euer Hund wie festgefroren in seiner Position erstarrt und es so aussieht, als hätte er überhaupt nichts gehört! Auch Ihr könnt dieses Signal einsetzen, indem ihr stocksteif steht und blinzelt, dann den Kopf abwenden und sich langsam entfernen.
Langsame Bewegungen
Schnelle Bewegungen wirken bedrohlich, langsame haben einen beschwichtigenden Effekt. Manchmal reduziert Euer Hund sein Tempo nur ein wenig, andere Male bremst er so stark ab, das fast keine Bewegung mehr zu sehen ist. Achtet mal drauf, wenn Ihr das nächste Mal mit Eurem Hund draußen seid und er plötzlich beginnt, sein Tempo zu drosseln. Anstatt ihn auszuschimpfen, oder mit sich zu ziehen, solltet Ihr Ausschau halten, ob Euch was entgegenkommt, von dem der Hund meint, es beschwichtigen zu müssen.
Euer Hund wendet langsame Bewegungen in vielen Situationen an, über die Ihr nicht einmal nachdenkt. Wenn Ihr Euern Hund ruft und Eure Stimme klingt aggressiv und gereizt, dann wird er in den meisten Fällen sofort das Tempo verlangsamen, um zu Euch zu kommen. Die streng befehlende Stimme wird sehr oft zur Folge haben, dass das gegebene Kommando nur im Schneckentempo ausgeführt wird.
Wenn mehrere Hunde zusammenkommen, und einige von ihnen sehr aufgedreht sind, werdet Ihr in der Regel beobachten können, das mindestens einer der Hunde versucht, die Hektik zu mildern, vielleicht verharrt er sogar ganz still, um die anderen zu beruhigen!
Das Wedeln
Wenn Euer Hund mit dem Schwanz wedelt, muss es keinesfalls bedeuten, das er sich freut. Tritt sein Wedeln zusammen mit Signalen des Ausdrucksverhaltens aus, die etwas anderes sagen, versucht Euer Hund zu beschwichtigen. Beispielsweise kommt er in abgesenkter Stellung auf Euch zu, senkt den Blick dabei und wedelt vorsichtig mit dem Schwanz, so beschwichtigt er eindeutig. In vielen Situationen könne man auch sagen, dass das Wedeln quasi als „weiße Fahne“ gilt, also eine Bitte um Verschonung! Womit wir wieder beim Thema sind, er beschwichtigt!
Die Vorderkörpertiefstellung
Wenn Euer Hund seinen Oberkörper und die Vorderläufe senkt, zur sogenannten Vorderkörpertiefstellung, handelt es sich in vielen Fällen um eine Einladung zum Spielen, deshalb wird diese Haltung auch als Spielhaltung bezeichnet. Euer Hund bewegt sich dann oftmals leicht hin und her, eventuell bellt er und ist insgesamt fröhlich und wirkt auffordernd.
Ein anderes Mal werdet ihr eventuell beobachten, das er den Oberkörper senkt und in dieser Haltung einen Moment verharrt oder das er vorne runtergeht, sofort wieder hochkommt und vielleicht noch andere Beschwichtigungssignale Zeit. Auch ein zu wildes Spiel kann durch dieses Signal beschwichtigt werden, indem Euer Hund die Tiefstellung einnimmt und dabei verharrt. Wir können beobachten, das erwachsene Hunde die Vorderkörpertiefstellung gegenüber ängstlichen Welpen anwenden. Sie wollen in diesem Moment wahrscheinlich gar nicht unbedingt spielen, diese Haltung hat aber, wie wir ja jetzt wissen, auch einen beruhigenden Effekt!
Das Hinsetzen
Manchmal setzt sich Euer Hund einfach hin und manchmal wendet er Euch, des größeren Effekts wegen, den Rücken zu, bevor er sich setzt. Ein kleines Beispiel voll aus dem Leben gegriffen: Ein erwachsener Hund läuft sehr stürmisch auf den Junghund zu, worauf sich dieser beschwichtigend hinsetzt.
Ihr könnt dieses Signal auch wieder leicht selbst anwenden. Ist Euer Hund oder der Hund eines anderen unsicher, gestresst, quengelig oder unruhig, dann setzt Euch einfach hin und entspannt Euch. Lest ne Zeitung, macht den Fernseher an, oder sitzt einfach nur ganz ruhig da. Das hat auf Euren Hund einen unglaublich beschwichtigenden Effekt. Euer Hund hat dadurch die Möglichkeit, sich ebenfalls zu entspannen und oftmals kommt er dann näher und beschnüffelt die Angelegenheit in Ruhe!
Das Hinlegen
Was das Hinlegen betrifft, gibt’s ne ganze Reihe von Missverständnissen. Wenn sich Euer Hund auf den Rücken legt, mit Bauch und Beinen nach oben, kann dies in einigen Fälle als Unterwerfung bezeichnet werden. Legt er sich auf den Bauch, die Beine am Boden, so hat dies nichts mit Unterwerfung zu tun. Vielmehr ist es eines der stärksten Beschwichtigungsmerkmale die es gibt.
Oftmals wird sich ein ranghoher Hund sich hinlegen und still liegen bleiben, um wieder Ruhe und Ordnung in ein Rudel zu bringen.
Euer Hund wird dieses Signal vielleicht einsetzen, wenn das Spiel um ihn herum zu wild wird. Ein erwachsener gut sozialisierter Hund legt sich hin, um einen anderen unsicheren Hund zu beruhigen. Die Wirkung des Hinlegens ist stark und deshalb auch für Euch eines der besten und effektivsten Mittel, Euern Hund zu beschwichtigen. Probiert es aus, legt Euch mal aufs Sofa, schaut fern, oder lest ein Buch – Ihr werdet keine bessere Methode finden, um Euern Hund zur Ruhe zu bringen.
Das Gähnen
Dieses Signal finden viele Leute interessant, da es dazu immer ne Menge Kommentare dazu gibt. Wir Menschen gähnen viel, wenn wir müde oder gestresst sind oder uns in einer angespannten Situation befinden.
All das, tun Hunde aber auch, viel eher aber zur Beschwichtigung als vor Müdigkeit. Ihr werdet beobachten können, das Euer Hund gähnt, wenn er aufgeregt ist, wie eventuell im Wartezimmer seines Tierarztes. Aber auch in Situationen, in denen Ihr mit Eurem Kind schimpft, oder mit Eurem Partner streitet, oder auf eine andere Art Lärm und Spannungen verursacht. Vergesst nicht, das es für den Konfliktlöser Hund jede sich anbahnende Auseinandersetzung etwas ist, das gestoppt werden muss. Selbst das Gähnen ist etwas, was ihr selbst effektiv einsetzen könnt, um Euern Hund zu beschwichtigen!
Im Bogen gehen
Hunde gehen normalerweise nicht direkt aufeinander zu. Sie tun es vielleicht, wenn sie sich gut kennen, oder sich aus anderen Gründen voll vertrauen. Manchmal senden sie einander aber auch so viele beschwichtigende Signale, das sie es riskieren, geradewegs auf den anderen zuzugehen. Für gewöhnlich ändern sie die Richtung ein bisschen, oder auch je nach Situation, ganz deutlich. Das ist auch der Grund, warum die meisten Hunde so unsicher und verteidigungsbereit sind, wenn wir sie zwingen, geradewegs an einen anderen Hund vorbeizugehen.
Man kann den Hunden beibringen, nahezu frontal aufeinander zuzugehen, aber das geht nur, über ein entsprechendes Training.
Ihr könnt selbst einen Bogen schlagen, wenn Ihr einem Hund begegnet. Könnte der Hund frei entscheiden, würde er eventuell beim Spazierengehen, sogar auf Eure andere Körperseite wechseln, um beschwichtigen zu können. Auch wir Menschen beschwichtigen manchmal mit nem Bogen drum, nicht von ungefähr kommt das Sprichwort: „Da mache ich lieber einen Bogen drum“.
Ignorieren
Ihr habt vielleicht auch einen Rüden und trefft auf einem Weg einen anderen ebenso gleichgroßen Rüden. Euer Rüde schlägt einen Bogen, während er gleichzeitig so tut, als wäre der andere gar nicht da. In solchen Situationen sind unsere Hunde Meister darin, einander komplett zu ignorieren. Auch dieses Verhalten kann man als Beschwichtigungssignal bezeichnen. Es hat jedenfalls einen unglaublichen beschwichtigenden Effekt.
Am Boden schnüffeln
Alle unsere Hunde schnüffeln auf dem Boden, werdet Ihr sagen. Ja, das tun
sie, und oft schnüffeln sie, um Gerüche zu studieren und weil sie es lieben
„Zeitung zu lesen“. Schnüffeln ist aber auch ein häufig gebrauchtes
Beschwichtigungssignal.
Diese Art von Schnüffeln kann ein Entlangführen der Nase über den Erdboden
sein, ohne das seine Nase wirklich den Boden berührt. Es kann aber auch eine
Berührung des Bodens mit anschließendem Hochnehmen sein. Manchmal ist es
aber auch ein ausgiebiges Schnüffeln auf einer Stelle, und ab und zu könnt Ihr
auch beobachten, das seine Augen verfolgen, was im Umkreis geschieht und
was der Hund zu beschwichtigen versucht.
Ihr solltet Euren Hund einfach in seiner Gesamtheit betrachten, um
herauszufinden, um was es eigentlich geht. Es bleibt uns aber manchmal nichts
andres übrig, als zu raten. Wenn Ihr Euern Hund das Herankommen befehlt,
wird er ab und zu drauf reagieren, indem er auf dem Boden schnüffelt. Er tut
es nicht, weil er sich dominant fühlt, die Führung übernehmen will und deshalb
den Gehorsam verweigert, sondern weil er eine Irritation in Eurer Stimme hört
oder weil Ihr eine drohende Haltung einnehmt!
Das Dazwischengehen / Splitten
Sich körperlich zwischen Hunde oder Leute zu drängen, soll verhindern, dass allzu große Nähe in einen Konflikt endet. Ein Gedränge zwischen Hunden aufzulösen, die nicht zum selben Rudel gehören, ist besonders wichtig, aber auch innerhalb des Rudels kann dieses Gedränge ein Anzeichen für einen möglichen Konflikt sein.
Viele Leute missverstehen dieses Dazwischengehen des Hundes und glauben es habe etwas mit Eifersucht zu tun. Das ist aber höchst unwahrscheinlich. Wenn zwei Hunde miteinander raufen und es etwas zu grob wird, kann ein dritter Hund dazwischen gehen und sie trennen, indem er sich von hinten oder von der Seite nähert.
Aber auch wir Menschen können splitten. Wenn zwei Hunde beginnen, angespannt aufeinander zu reagieren, stellt Euch einfach dazwischen, falls noch Platz ist. Bellt Euer Hund etwas oder jemanden an, stellt Euch vor Euern Hund und damit zwischen ihn und das angebellte Objekt!
Die Pfote heben
Die Pfote heben ist auch ein Beschwichtigungssignal, dass wir hin und wieder beobachten können, allerdings nicht sehr häufig. Hier auch wieder ein kleines Beispiel: Ein Hund sollte von vorne fotografiert werden und fühlte sich durch die auf ihn gerichtete Kamera sichtlich unwohl. Während er dasaß, schaute er ständig zur Seite und hob manchmal die eine, mal die andere Pfote, bis die Fotosession vorbei war.
Das Markieren
Manchmal geschieht es aus purem Stress, so wie manche Menschen ständig auf´s Klo müssen, wenn sie unter Stress stehen. In anderen Fällen benutzen Hund es zur Stärkung des Gemeinschaftsgefühls. So wie wir Menschen beispielsweise mit anderen eine Tasse Kaffee trinken, pullern die Hunde in Gesellschaft und tun damit gemeinsam etwas Unverfängliches. Bei einer Gruppe von Hunden könnt Ihr oft beobachten, wie die ganze Gruppe mehr oder weniger auf dieselbe Stelle pullert, wobei es in diesem Fall ganz zufällig ist, wer zuerst pullert und wer zuletzt!
Übersprungshandlungen
Übersprungshandlungen könnte man auch beschreiben, mit „etwas ganz anderes tun“. Hunde zeigen dieses Verhalten oft, ohne das es uns bewusst ist, weshalb sie grade dies tun. Hier wieder ein kleines Beispiel: Euer Hund läuft auf einen Menschen zu, um diesen zu begrüßen, aber der Mensch bleibt stehen und schwenkt seine Arme abwehrend durch die Luft. Euer Hund findet dies menschliche Verhalten bestimmt total unheimlich, so dass er sich ein Stöckchen sucht und damit herumläuft, wobei er versucht den Menschen zu ignorieren. Auch wenn ein Hund in angespannter Situation plötzlich mit Vorderkörpertiefstellung, Urinieren oder Abdrehen mit Schnüffeln reagiert, handelt es sich hier um ein Beschwichtigungssignal.
Das Lächeln
Das Lächeln benutzen manche Hunde zur freundlichen Kontaktaufnahme. Während andere es deutlich als Beschwichtigungssignal einsetzen. Dabei hat der Hund das Maul geöffnet, als wenn er hecheln würde, wobei die Zunge dabei nicht aus dem Maul hängt.
Es gibt aber noch viele andere Signale, die in Einzelfällen zu beobachten sind, wie z. B.
Ich fasse jetzt hier einmal kurz zusammen, das es hier nur eine kleine Auswahl an Beschwichtigungssignalen ist. In dem Buch, was ich oben erwähnt habe, stehen noch viel viel mehr Signale drin, auch enthält das Buch super Tipps wie man die beschwichtigen Signale zu beobachten lernt. Was wir tun können, wenn der Hund seine Sprache verloren hat, wann Welpen beginnen, Calming Signals anzuwenden und und und!
Nochmal kurz zusammengefasst, was wir als Beschwichtigungssignal bezeichnen. Im Gegensatz zu Drohsignalen, deren Zweck es ist, Distanz zu schaffen, jemanden fernzuhalten oder gar zu verscheuchen, haben die beschwichtigenden Signale das Ziel, zu beruhigen, Angst, Stress, Zorn und andere Gemütszustände abzubauen, die zu Konflikten fühlen könnten. Beschwichtigungssignale sind also friedensstiftend, konfliktlösend und besänftigend, und ihr Zweck wird immer sein, Ruhe und Ärger zu vermeiden.
Zuviel missverstandene Gehorsamkeit und übertriebene Kontrolle haben schon zu viele Hunde verdorben, weil sie ständig Strafe und Unannehmlichkeiten dafür ernten, das sie ihren natürlichen Beschwichtigungsinstinkten folgten. Letztendlich trauen sie sich nicht mehr, diese Signale einzusetzen und haben sie schließlich einfach vergessen, wie es gemacht wird. Es gibt ne Menge Hunde, die es gerne tun würden und verzweifelt herumlaufen, weil sie nicht wissen wie. Man hat es ihnen aberzogen, sie haben das Selbstvertrauen verloren, ihre eigene Sprache zu benutzen, die ungemein wichtig für jede Tierart ist, den Menschen eingeschlossen, denn ohne Sprache sind wir ziemlich hilflos
Und zum Schluss noch eine tolles Zitat aus dem Buch „Calming Signals“ vom Häuptling Dan George:
Wenn du mit den Tieren sprichst,
werden sie mit dir sprechen,
und ihr werdet euch kennenlernen.
Wenn du nicht mit ihnen sprichst,
dann werdet ihr euch nie kennenlernen.
Was du nicht kennst, wirst du fürchten.
Und was du fürchtest,
zerstörst du!
